Szenerie, Lesung, Sinn

Szenerie, Lesung und Sinn

Die Szenerie

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem lauschigen Herbstabend in einem Kulturcafé vor einer kleinen Bühne. Der Boden des Cafés weist noch Spuren des Heavy-Metal-Konzertes vom Vorabend auf und am Bühnenrand stehen schon die neuen Kulissen für den morgigen Kindergeburtstag. Kulturcafés müssen thematisch eben breit streuen.

Der betagte hölzerne Klappstuhl auf dem Sie sitzen, bohrt sich ungemütlich in Ihr Sitzfleisch und möchte Ihnen eine neue Po-Form aufzwingen, doch Sie haben ja glücklicherweise an der Bar ein sehr leckeres Bier bekommen, das Sie von Ihrer "po"tenziellen Kehrseite ablenkt. (Haha, über diesen Wortwitz muss ich gerade selbst mal lachen, "po"tenziell, haha...)

Über Ihnen bunte Lichter, die ihr buntes Licht in das Kulturcafé werfen (machen wir uns nichts vor, es ist ein ausgebauter Partykeller des ortsansässigen Skateparks, aber überall steht groß "Kultur", also wird´s schon irgendwie intellektuell sein...). Ein zweiter Scheinwerfer beleuchtet die Bühne. Dort stehen ein Stuhl mit zugehörigem Tisch, darauf eine Leselampe, ein paar lose Blatt Papier, eine Packung Taschentücher, ein Brillenputztuch.

Um Sie herum sitzen andere Leute, Menschen wie Sie, oder nicht wie Sie. Studentinnen, Arbeiter, Bankkaufleute. Ein Rentner. Ihr Ehemann und Ihre zwei Kinder. Ihr Hund nicht, den mussten Sie zuhause lassen. Bei meinen Lesungen gibt es zwar keine Altersgrenze, aber eine Grenze die Anzahl der Tiere betreffend. Könnte ich das ändern, glauben Sie mir, ich würde es tun.

Die Lesung

Und dann wird das Licht dunkler, Sie applaudieren und ich komme auf die Bühne gestolpert (das ist in den meisten Fällen unbeabsichtigt, aber tun wir einfach mal so, als wäre das geplant). Ich begrüße Sie und Ihre Familie, Ihre Freunde, bitte Sie, Ihrem Hund freundliche Grüße von mir auszurichten, winke meinem Vater in der letzten Reihe kurz zu und beginne dann, meine Geschichten vor zu lesen.

Ich erzähle gern, dass ich einen komischen Blog in diesem Interwebs habe, den ich mehr oder minder regelmäßig pflege. Er heißt "...und ich so..." (den Link hierzu finden Sie im Menü unter "Blog") und ich sage dann immer gern, dass niemand diesen Blog liest und ich deshalb einfach beschlossen habe, ihn selbst vorzutragen!

Mein Blog (und damit meine Lesung) eine Sammlung von Geschichten, die ich mal erlebt habe (ich finde, sowas klingt immer, als wäre ich eine Seefahrerin, "Aaargh, was ich alles erlebt habe, damals, auf Sansibar...")

Aber ich meine eher so etwas:

Die Texte

Zum Beispiel, als mir im Wartezimmer meiner Zahnärztin zum ersten Mal das hässliche Bild an der Wand aufgefallen ist und begann, mich zu fragen, ob meine Ärzte vielleicht heimlich zusammen auf den Flohmarkt gehen, um mich mit ihrem Wahnwitz in den Wahnsinn zu treiben: "Doktor Schmidt, guckense mal!! Dicke, tanzende Figuren in Kindergartenrot und Himmelblau auf grünem Gras! Wenn se sich das Bild ins Wartezimmer hängen, dann FLIPPT die Schandry aus, ahahah!!" Wer aus dem Rahmen fällt

Oder als zwei mürrische Monteure runde Rauchmelder in meine Decke schlagbohren wollten und mich mit ihrer Myrrhe (das ist doch das Substantiv zu "mürrisch", oder?, "Myhrre"? Gut...) völlig verunsicherten. Bin ich ja schließlich freundliche, mitteilungsbedürftige und hilfreiche Handwerker gewöhnt... Schall und Rauch

In "I cant get no Satisfaction" lege ich meine sexuelle Neugier zu Menschen, die ein Instrument spielen können, offen und stelle sofort meine persönliche Ausnahme fest: "Unter keinen Umständen würde ich mich von André Rieu befummeln lassen, gut, aber da tut auch die Frisur einiges gegen, wer hat denn heute immer noch so ´nen aufgeföhnten Blödsinn auf dem Kopf...") I cant get no Satisfaction

Der Sinn

Ich erzähle schlicht kleine Anekdoten, stelle unwichtige Fragen, die mir irgendwann mal wichtig waren und gebe die Besonderheit des Menschen im Allgemeinen und meine Andersartigkeit im Besonderen zur Diskussion frei. Ich erfreue mich an den kleinen Dingen des Lebens.

Und am Ende des Tages möchte ich Sie schlichtweg mit den kleinen (meinen) unwichtigen Dingen des Lebens zum Lachen bringen. Denn die großen Dinge des Lebens bringen oft eine Kompliziertheit und Schwere mit sich. Und das Leben ist schon schwer und kompliziert genug.

Lachen Sie lieber über die komische Frau mit der Brille auf der Bühne, die herumschreit, weil sie trotz ihrer Unverträglichkeit nun doch mal Knoblauch gegessen hat und nun mit den schrecklichen Folgen leben muss.

Gönnen Sie sich eine Auszeit vom grauen Alltag und haben Sie Teil an meinem. Ich begebe mich für Sie in die Irren und Wirren unserer Gesellschaft und erzähle Ihnen davon.

Und wenn ich dann mal wieder in Sansibar war, erzähle ich Ihnen die Geschichte gleich mit...